Elisabeth von Rochlitz - eine moderne Frau im 16. Jahrhundert - Teil 1

Wer ist wohl die adlige Dame, dargestellt mit Weinkelch, in einem der Kirchenfenster der Rochlitzer Kunigundenkirche? Das wird sich mancher Besucher fragen.

In mehreren Folgen soll das Leben der Elisabeth, Herzogin zu Sachsen, und ihre Bedeutung für die Stadt Rochlitz vorgestellt werden.

Teil 1

Am 4.März 1502 wurde Elisabeth als erstes Kind des Landgrafen Wilhelm II. von Hessen und seiner Ehefrau Anna, Herzogin von Mecklenburg, im Marburger Schloss geboren.

Drei Jahre später erfolgte die Geburt des Bruders Philipp, der zur entscheidenden Bezugsperson in ihrem Leben werden sollte. Auf dem Sterbebett verpflichtete Landgraf Wilhelm seine beiden Kinder, füreinander zu leben. Und Elisabeth wird seine Worte als eine wichtige Lebensaufgabe ansehen.

Bereits in Elisabeths Alter von drei Jahren verabredete ihr Vater mit seinem sächsischen Cousin Herzog Georg die künftige Ehe zwischen Elisabeth und dessen siebenjährigem Sohn Johann. Der Ehevertrag beinhaltete u.a. Festlegungen über eine eventuelle Witwenschaft Elisabeths, das Wittum Rochlitz mit 55000 Gulden Wertanschlag.

Bald nach dem Tode Wilhelms II. entschieden die hessischen Stände über die Zukunft der landgräflichen Kinder, indem sie der Mutter die Erziehung und die Herrschaft über ihren Sohn Philipp entzogen. So war Elisabeths Kindheit geprägt von den Kämpfen der Mutter um ihr Recht, dem Schmerz über die Trennung vom geliebten Bruder und finanzieller Not. Die Stände kamen z.B. ihren Verpflichtungen nicht nach, für Unterhalt und Kleidung Elisabeths zu sorgen. Erst nach fünf Jahren konnten die Geschwister, dank der Beharrlichkeit der Mutter Anna, wieder zusammengeführt werden. Ab 1514 lebten die Geschwister wieder gemeinsam auf dem Marburger Schloss.

Hatte sich Elisabeth die Beharrlichkeit und den starken Eigenwillen ihrer Mutter zu eigen gemacht, so bewunderte sie aber auch Mut und Draufgängertum ihres Bruders, sparte aber auch nicht mit Ermahnungen, denen sich der jüngere Bruder fügte.

Der Marburger Kirche fühlte sich Elisabeth besonders verbunden, da sich in ihr die Grabstätte der "Heiligen Elisabeth", ihrer Namensschwester, befindet. So nahm sie sich bereits im jugendlichen Alter vor, wie ihre Vorgängerin einmal Wohltäterin der Armen zu werden. Und zeitlebens wird sie ihrem Vorsatz treu bleiben, Spitale (z.B. das Rochlitzer Spital) durch Spenden zu unterstützen.

 

von Inge Müller