Elisabeth von Rochlitz - eine moderne Frau im 16. Jahrhundert - Teil 2

Gemäß der Ehevereinbarung der Väter aus dem Jahr 1505, als Elisabeth 3 Jahre und Johann von Sachsen 7 Jahre alt waren, wurden die Kinder im Jahre 1515 in Marburg "verheiratet". Der künftige Wohnsitz des jungen Paares sollte natürlich der Hof in Dresden sein, aber Elisabeth wollte sich nicht von Mutter und Bruder trennen. Als sie später als Gemahlin des albertinischen Thronfolgers an den sächsischen Hof kam, spürte sie einen deutlichen Gegensatz zwischen dem freien Leben am hessischen Hof ihrer Mutter und der Sittenstrenge in der Hofhaltung des Schwiegervaters. Elisabeth und Johann führten aber eine glückliche Ehe.

Meinungsverschiedenheiten mit dem Schwiegervater Herzog Georg blieben jedoch nicht aus: Fröhlicher und unbeschwerter Umgang mit der Dienerschaft, ihre Weigerung, täglich die Frühmesse zu besuchen (Elisabeths Meinung: Einen frommen Christen erkennt man daran, dass er im Herzen gut ist und Gottes Gebote einhält) waren Gründe für die Einsetzung einer Hofmeisterin, die Elisabeths Erziehung lenken sollte. Jedoch durch ihre Eigenwilligkeit verschaffte sie sich in der Hofmeisterin eine gefährliche Feindin, die die Eintracht zwischen Elisabeth und ihrem Schwiegervater zu stören versuchte. Böse Zungen sorgten sogar dafür, ihr eheliche Untreue nachzuweisen.

Solche Missstimmungen belasteten Elisabeth sehr. Und sie war im Gegenzug ständig an einer Versöhnung zwischen hessischem und sächsischem Hof interessiert. Unter anderem hatte sie entscheidenden Anteil daran, dass Bruder Philipp im Jahr 1523 Georgs Tochter Christine heiratete.

 

von Inge Müller