Elisabeth von Rochlitz - eine moderne Frau im 16. Jahrhundert - Teil 3

Elisabeths Bruder, Landgraf Philipp, der zu dieser Zeit bereits begeisterter Lutheranhänger war, gab ihr die Gelegenheit, sich mit dem Gedankengut der evangelischen Religion bekanntzumachen. Der Mönch Martin Luther hatte durch seinen entschiedenen Kampf gegen den Ablasshandel (mit Geld, das zum Bau der Petersdomes in Rom verwendet werden sollte, konnte man sich seiner Sünden befreien!) zur Reformation der katholischen Kirche aufgerufen.

Auch Herzog Georgs jüngerer Bruder Herzog Heinrich, genannt der "Fromme", hatte bereits 1526 in Freiberg eine freie Religionsausübung zugelassen. Zur gleichen Zeit wurde im Ernestinischen Sachsen die Durchsetzung des evangelischen Glaubens durch Friedrich den Weisen und dessen Bruder Johann den Beständigen veranlasst. Jedoch Herzog Georg, Machthaber im Albertinischen Sachsen, blieb ein strenger Katholik. Der Rochlitzer Heimatforscher Clemens Pfau bezeichnete ihn als "tragische Gestalt der Wettiner", der den "Geist seiner Zeit zu wenig verstand". Als 1521 der päpstliche Bann gegen Luther verhängt wurde, sorgte Georg als treuer Sohn der katholischen Kirche für dessen Verbreitung, wurde zum erbitterten Feind Luthers und der reformatorischen Bewegung.

Nun kam die Protestantin Elisabeth an den katholischen Dresdner Hof. Gemeinsam mit ihrem Bruder Philipp versuchte sie vergeblich, den Schwiegervater für die evangelische Religion zu gewinnen. Ganz im Gegenteil verbot Herzog Georg seiner Schwiegertochter lutherisch zu lernen und Lutherlieder zu singen. Elisabeth stellte sich aber entschieden gegen diese Anweisungen, so dass der Herzog nachgeben musste und ihr ihren Willen ließ.

Religiöser Zwiespalt und der persönliche Wunsch nach einem Kind und einem eigenen Heim bedrückten Elisabeth (sie war inzwischen 31 Jahre alt) sehr. Durch Intrigen einer gehässigen Hofmeisterin wurde Elisabeth sogar ein Liebesverhältnis mit einem Adligen des Dresdner Hofes angelastet.

Jedoch Johann vertraute seiner Frau, durfte ihr aber nur bedingt beistehen, da der Vater mit Enterbung drohte.

Eine Versöhnung zwischen Schwiegervater und seiner Schwiegertochter erfolgte erst 1534, als Georg innerhalb weniger Tage Ehefrau und Tochter verlor und er diese Schicksalsschläge als "Strafe Gottes" ansah.

Elisabeth war glücklich über die Versöhnung, und es folgten nun für sie die drei schönsten Jahre am Dresdner Hof. Georgs Neffe Moritz kam an den Hof, und Elisabeth erfasste die Gelegenheit, sich für dessen Erziehung und Bildung mit verantwortlich zu fühlen, gewissermaßen als Ersatz für ihren unerfüllten Kinderwunsch.

Ein jähes Ende nahm die glückliche Zeit, als Johann nach kurzer Krankheit im Jahre 1537 starb. Und so verbrachte die kinderlose Witwe, von Georgs Räten gefürchtet, ihre letzten Wochen in Dresden.

 

von Inge Müller