Elisabeth von Rochlitz - eine moderne Frau im 16. Jahrhundert - Teil 4

Nach dem Tode des sächsischen Thronfolgers und ihres Ehemannes musste Elisabeth den Dresdner Hof verlassen und ihren Witwensitz in Rochlitz antreten.

Ausgerüstet mit einer guten Menschenkenntnis, mit Erfahrungen in Wirtschafts- und Staatspolitik sowie mit einer festen evangelischen Position in Glaubensfragen trat sie im 36. Lebensjahr ihr Amt an.

"Vonn Gotts gnadenn Elisabeth gebornne Landgreuinn zu Hessen herzoginn zu Sachsen E H Z S"

Unter der Devise "Gott wird's wohl machen" verwaltete sie Amt und Schloss Rochlitz mit den Städten Geithain und Mittweida sowie Amt und Schloss Kriebstein mit Hartha und Waldheim.

Sie führte einen kleinen, aber standesgemäßen Hofstaat mit u.a. 15 Jungfrauen. Mit dem Hofmarschall Heinrich von Bünau, einem Amtmann, einem Kammermeister und zwei Sekretären standen ihr nur wenige Ratgeber zur Seite, der Regentin eines relativ großen Gebietes.

Zunächst beschäftigten sie Baumaßnahmen im Schloss und das Pflastern "böser Wege" in Rochlitz. Außer einem großen Pferdestall im Unterschloss wurde der große Wendelstein im Fürstenhaus angelegt. Bedeutungsvoll ist noch heute die Herzoginstube im Südflügel mit der 1976 restaurierten Holzbalkendecke. Zu allen Bautätigkeiten benötigte die Herzogin allerdings die Genehmigung von Landesherr Herzog Georg.

Eine Überprüfung der Finanzlage in ihrem Amt ließ sie rasch Veruntreuungen des verhergegangenen Amtmannes aufdecken. Sie führte das zurückgegangene Bleichgeld auf der Rochlitzer Bleiche (seit 1380 die zweite Landesbleiche neben Chemnitz) wieder ein. Durch gute Wirtschaftsführung, u.a. durch Beeinflussung der Lebensmittelpreise sowie den Bleichzwang für umliegende Dörfer und Städte, konnte sie die Einkünfte ihrer Ämter auf mehr als das Doppelte steigern.

Stark unterstützt von ihrem Bruder, Herzog Philipp von Hessen, konnte sich Elisabeth in Rochlitz nun offen zu ihrem Glauben bekennen. Der Grundsatz "cuius regio - eius religio (wessen die Herrschaft – dessen der Glaube") wurde allmählich auch maßgebend für ihre Untertanen, zumal ihr katholischer Schwiegervater bereits dem Rochlitzer Rat mit der Inquisition gedroht hatte, falls seine Schwiegertochter die Kirche reformiert. Bereits am 11.September 1537 (Elisabeth hatte ihr Amt im März angetreten) wurde die erste evangelische Predigt in der Schlosskapelle gehalten Am 2.Dezember erhielten alle Priester und Räte des Wittums das Mandat über Priesterehe und Abendmahl in beiderlei Gestalt. Dieses Mandat wurde von Clemens Pfau als "Geburtsbrief der Reformation im Rochlitzer und Kriebsteiner Amt" gewürdigt. Der Jenaer Superintendent Antonius Musa wurde von Elisabeth beauftragt, die Reformation in ihren Wittumsstädten einzuführen. Für die Durchsetzung ihrer Ziele nutzte Elisabeth sogar eine kluge Familienpolitik, indem sie ihren Neffen Moritz von Sachsen mit Agnes, einer Tochter ihres Bruders Philipp von Hessen, vermählte. Der evangelische Glaube hatte sich im Albertinischen Sachsen endlich durchgesetzt, als Herzog Georg im Jahr 1539 starb und sein Bruder Herzog  Heinrich („der Fromme“) die Herrschaft übernahm, allerdings nur für kurze Zeit, um sie dann 1541 an seinen Sohn Herzog Moritz abzutreten.

 

von Inge Müller