Elisabeth von Rochlitz - eine moderne Frau im 16. Jahrhundert - Teil 5

Herzog Moritz übernahm aber wieder Georgs kaiserfreundliche Räte, die alles versuchten, ihn auf die kaiserliche Seite zu ziehen. 1531 war der Schmalkaldische Bund protestantischer Fürsten unter der Führung Kursachsens und Hessens gegen die Regierungspolitik Kaiser Karls V. gegründet worden. Ihm trat Elisabeth 1538 bei und versuchte, Herzog Moritz auf ihre Seite zu ziehen. Und als ein Streit zwischen den sächsischen Vettern Kurfürst Johann Friedrich und Herzog Moritz drohte auszubrechen, versuchte Elisabeth durch umfangreiche Korrespondenz an beide Herrscher den Konflikt zu schlichten.

Als sich die Konflikte zwischen dem Schmalkaldischen Bund und den Kaiserlichen verschärften, brach 1547 der Krieg aus. Herzogin Elisabeth richtete auf Schloss Rochlitz eine Nachrichtenzentrale ein und empfing täglich Boten und Meldungen von den Kriegsschauplätzen, um ca. 2000 Briefe in Geheimschriften an Freund und Feind zu richten. Ihre Mahnung: "Fliehet den Krieg, so von übel" wurde nicht erhört. Aber ihre reiche Korrespondenz in dieser Zeit wurde zu einer wichtigen Quelle der Reformationsgeschichte.

Herzog Moritz, obwohl anfangs Neutralität versprochen, stand den Glaubensfragen relativ gleichgültig gegenüber. Ihm ging es vorwiegend um die Festigung seiner Landesherrschaft. Schließlich verband er sich mit dem Kaiser, der ihm die versprochene sächsische Kurwürde 1547 nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Mühlberg verlieh.

Nach dem Ausbruch des Krieges sollte Elisabeths Wittum zwar einen vorübergehenden Sieg des Schmalkaldischen Bundes erleben, aber schwer enttäuscht floh Elisabeth danach vor dem Krieg und begab sich nach Kassel zu Bruder Philipp, während der für den Kaiser kämpfende Herzog Moritz ihr unter dem Vorwand des Verrats das Wittum Rochlitz entzog.

In einem 1549 zu Grimma geschlossenen Vertrag musste Elisabeth ihre Ansprüche auf Rochlitz aufgeben und erhielt dafür eine jährliche Entschädigung von 7000 Gulden. Elisabeths Hoffnungen auf eine Rückkehr nach Rochlitz zerschlugen sich mehrmals, und so bezog sie für den Rest ihres Lebens den Hessenhof in Schmalkalden. Zuvor aber bedachte sie das Rochlitzer Hospital mit einer Spende von 1500 Gulden. Nach dem Weggang von Rochlitz entsprach ihr Leben immer mehr dem Alltag fürstlicher Witwen im 16. Jahrhundert. Im Jahre 1551 erkrankte sie mehrmals schwer und starb 1557 in Schmalkalden. Ihr Leichnam wurde in der Elisabethkirche zu Marburg beigesetzt.

Somit erfüllte sich für Herzogin Elisabeth das außergewöhnliche Leben einer Fürstin des 16.Jahrhunderts, das von zähem Willen um Gerechtigkeit sowie froher Tatkraft gegen familiäre und politische Ränke geprägt war. Unermüdlich war sie ein Leben lang tätig im Ringen um den Sieg des evangelischen Glaubens und die Einigkeit der deutschen Fürsten.

"Es wäre gut, wenn wir Deutschen eins wären und all' zusammenhielten".

In der Geschichte der Stadt Rochlitz lebte sie über die Jahrhunderte weiter als ein starke Frau der Reformation.

 

Inge Müller

Vizepräsidentin der Schlossgesellschaft zu Rochlitz

Literaturquellen sind zu finden bei Elisabeth Werl, Udo Baumbach, Andre Thieme